Wettbewerb der Narrative: Ist die offene Gesellschaft in Gefahr? (HBS)

Date

24 Mar 2017 to 25 Mar 2017

Address

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Markgrafenstraße 38 (Gendarmenmarkt)
10117  Berlin
Germany

Event Type

L - Conference, forum

Organiser type

NGOs / Think Tanks

Section

Global Europe

Event Location

Germany

Event Description

Internationale Tagung in Berlin. Live-Stream unter: www.boell.de/narrative
 
In einer ungewöhnlichen, aber profilstarken Allianz thematisieren das Goethe-Institut, die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bundesverband der deutschen Industrie und das Käte Hamburger-Kolleg/Centre for Global Cooperation Research auf einer internationalen Tagung an diesem Wochenende die gegenwärtige Krise freiheitlicher Erzählungen und den weltweit zunehmenden Druck auf die offenen Gesellschaften durch autoritäre Regime.
 
Die aktuellen Entwicklungen in den USA, das Verhältnis zwischen der Türkei und einzelnen EU-Staaten, die Rolle Chinas wie auch die innenpolitischen Turbulenzen in Frankreich und Deutschland im Wahljahr 2017 stellen die freien Gesellschaften und viele ihrer tragenden Akteure vor neue, gemeinsame Herausforderungen. Von zentraler Bedeutung ist dabei ein mittlerweile offener Wettbewerb zwischen liberalen Narrativen und illiberalen politischen Erzählungen, die das globale Machtgefüge und unsere Gesellschaften zum Teil mit unvorhersehbarer Wucht beeinflussen.
 
Zum Auftakt der gemeinsamen Tagung erklärte Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts: „Die aktuelle Krise liberaler Erzählungen ist gekennzeichnet durch eine weltweite Kritik am Ideal einer weltoffenen Gesellschaft. Tagtäglich werden wir mit Narrativen konfrontiert – in Debatten um internationale Handelsabkommen, im französischen Wahlkampf oder im Streit um das Präsidialsystem in der Türkei. Bei den Diskussionen heute und morgen möchten wir ein Schwarz-Weiß-Denken vermeiden und herausfinden, wie liberale und illiberale Erzählungen unserer Gesellschaften aussehen und wie diese Menschen und Staaten beeinflussen.“
 
Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, sagte: „Narrative sind ein zentrales Instrument dafür, dass Repressionen Erfolg haben: weltweit werden die Handlungsspielräume von Zivilgesellschaft eingeschränkt, Journalisten verfolgt, zivilgesellschaftliche Organisationen verboten und damit gerechtfertigt, dass die Menschenrechte relativiert und ihre Universalität in Frage gestellt wird. Narrative sind aber auch zentral dafür, illiberalen Trends entschieden entgegenzutreten und Rechte zu verteidigen. Wie wir konsequent den Narrativ der Universalität der Menschenrechte verteidigen können, wollen wir bei dieser Tagung diskutieren.“
 
Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie: „In einem immer gefährlicheren internationalen Umfeld muss die Politik in Deutschland und Europa die politische Freiheit fortwährend konsequent aufrechterhalten. Es geht darum, wirtschaftlichen Fortschritt stets aufs Neue zu erarbeiten. Dies gelingt nur in offenen Gesellschaften. Technischer Fortschritt durch digitale Transformation und radikale Innovationen in der Wissenschaft bietet die historisch einzigartige Gelegenheit, die wirtschaftliche und soziale Lage breiter Schichten der Bevölkerung zu verbessern, und zwar spürbar wie dauerhaft. Das Narrativ, das mich am meisten überzeugt, erklärt: Freiheit und Offenheit bringen Wohlstand und Arbeitsplätze, Teilhabe, Einkommens- und Aufstiegschancen – also: inklusives Wachstum.“
 
Markus Böckenförde, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Käte Hamburger Kollegs/Centre for Global Cooperation Research: „Die Untersuchung der Möglichkeiten und Grenzen globaler Kooperation im 21. Jahrhundert lässt sich aus wissenschaftlicher Perspektive nur erfassen, wenn die Forschung zu Narrativen mit einbezogen wird. Deren Einsatz und Wirkung ist im Bereich der Politikwissenschaften lange stiefmütterlich behandelt worden, obwohl bekannt ist, dass politische Narrative für die kollektive Verständigung eine wichtige Rolle spielen. Es gibt zwar Konfliktpotentiale, wenn unterschiedliche Weltsichten aufeinander treffen. Doch können Narrative, etwa durch geteilte Metaphern, affektive Bindungen und kooperative Wirkungen erzeugen. Deshalb lohnt sich auch zum besseren Verständnis globaler Prozesse der genaue Blick auf die erzählerische Dimension politischer Sprache.“
 
Internationaler Diskurs
Den Eröffnungsvortrag zum Thema „Populisten und Liberale“ hält der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke. Außerdem sprechen unter anderen die russische Politikwissenschaftlerin Ekaterina Schulmann, der Ökonom Chandran Nair aus Hongkong, die amerikanische Juristin Michele Goodwin, der Kulturjournalist Ranjit Hoskoteaus Indien, der französische Politikwissenschaftler Ariel Colonomos und der chinesische Philosoph Tongdong Bai über erfolgreiche Erzählungen in ihren Ländern. Performative Elemente von Poetry Slammern wie dem Nigerianer Efe Paul Azino ergänzen die Beiträge. Das Publikum ist nach den Impulsen der Rednerinnen und Redner zum Mitdiskutieren aufgerufen.
 
Die Tagung wird als Livestream übertragen: www.boell.de/narrative. Weitere Informationen finden Sie unter:www.goethe.de/narrative. Der Hashtag zur Konferenz lautet #competingnarratives.
 
Internationale Tagung „Wettbewerb der Narrative: Zur globalen Krise liberaler Erzählungen“
Termin: Eröffnung 24. März, 18.00 Uhr; 25. März 2017, 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr
Ort: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Markgrafenstraße 38 (Gendarmenmarkt), 10117 Berlin
Sprache: Simultanübersetzung Deutsch/Englisch.
 
Alle Presseinformationen finden Sie unter www.goethe.de/presse und www.artefakt-berlin.de
Die Tagung „Wettbewerb der Narrative: Zur globalen Krise liberaler Erzählungen“ ist eine gemeinsame Veranstaltung des Goethe-Instituts, der Heinrich-Böll-Stiftung, des Bundesverbands der Deutschen Industrie und des Käte Hamburger Kollegs/Centre for Global Cooperation Research
 
 
Kontakt:
Michael Alvarez Kalverkamp, 
Pressesprecher 
Heinrich-Böll-Stiftung
Tel.: +49-(0)30-285 34-202 | 0160 365 77 22
 
Christina Steenken
Pressereferentin
Goethe-Institut
Hauptstadtbüro
 
Alexander Flöth und
Elisabeth Friedrich
Artefakt Kulturkonzepte
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